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Das Ende der Arbeitsnomaden in der Logistik

Bild: Fotolia
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ein Beitrag von Christian Schober

 

Der Fachkräftemangel (ein Schlagwort, das man schon kaum mehr hören kann) trifft – was nicht überraschend ist – nicht nur wenige Branchen/Berufe, sondern mittlerweile eher den überwiegenden Teil. So auch die Logistik und die Logistikberatung. Und zunehmend ist auch die Bezeichnung „Fachkräftemangel“ falsch, weil es ja nicht nur an diesen mangelt, sondern überhaupt an Menschen, die arbeiten möchten und können (in manchen Fällen auch dürfen!).

Es ist schon schwierig, überhaupt gute Logistiker zu bekommen (was „gut“ ist, müsste man außerdem definieren). Wenn es welche gibt und die sich berufen fühlen, ihr Wissen in die Beratungsbranche einzubringen, kommt die nächste Hürde. Beraten würden die Leute gerne, aber auch noch zur Arbeit reisen? 3 oder 4 Nächte weg von zu Hause? Von der Familie, von Hobby, Freundeskreis, Ehrenamt, Privatleben? „Gefühlt“ will das kaum mehr einer. Und je weiter weg die Dienstreisen führen, desto schwieriger ist es. So geht’s auch anderen in der Logistikbranche, zum Beispiel Transportunternehmen, die Fahrer suchen oder Logistikdienstleistern, die 24-Std. Services anbieten und auf Menschen angewiesen sind, die im Schichtdienst arbeiten wollen.

In der Beratung hat die Corona-Pandemie die Wirkung dieser Entwicklung gehemmt – Kunden wollten sowieso niemand sehen, auch keine Berater. Danach dachte man, es würde wieder besser, aber was haben wir nun: die Diskussion um 4-Tage-Wochen und das Home-Office. Beides nicht zuträglich für Prozessberatungen vor Ort. Und natürlich auch nicht für die o. g. Fahrerstellen…

Was ergibt sich daraus? Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt bei sinkendem Angebot und daher steigt auch der Preis. Mittlerweile ist es so, dass Mitarbeiter teuer sind, weil sie verfügbar sind – und nicht, weil sie gut wären! Bedeutet: trotz hoher Personalkosten oft keine hohe Qualität! Das ist die Umkehrung einer gewohnten Denkweise, in der man für gute Bezahlung noch gute Arbeit erwarten konnte.

Und was machen wir nun? Nichts, jammern hilft ja nicht, also weitermachen und weiter versuchen, die guten Köpfe zu bekommen. Jedoch: Beratung wird teurer und Reisen werden nicht nur an sich teurer, sondern auch deshalb, weil auch die Reisezeit bezahlt werden muss – denn Reisezeit ist Lebenszeit.

Das zeigt die aktuelle Entwicklung all denen, die das bis dato nicht wussten oder verdrängt hatten. Auch hier haben reisende Berater und LKW-Fahrer durchaus Gemeinsamkeiten.

Beste Grüße, Christian Schober

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