Brauereien können eine gute Zukunft haben - auch durch eine gute Logistik!

Bildquelle: Pixabay - cerdadebbie
Bildquelle: Pixabay - cerdadebbie

Ein Beitrag von Christian Schober 

 

 Ist es schlimm,  dass – ausgerechnet in Bayern - immer weniger Bier getrunken wird? Und dann ausgerechnet noch weniger vom „Hellen“?

Je nach Quelle der Auswertung und Region sinkt der Bierabsatz in Deutschland mehr oder weniger stark – schon seit Jahren. Dies brachte und bringt manchmal diejenigen Brauereien in Schwierigkeiten, die sich „nur noch“ auf ihre Bierspezialtäten mit Alkohol konzentrieren. Und die sich – leider gibt es das auch noch – modernen Themen des Logistikmanagements konsequent verweigern. Hierzu gehört bspw. die Prozessoptimierung, eine Prozesskostenrechnung, innovative Intralogistik am Standort, Digitalisierung im Allgemeinen oder auch Tourenplanung und Fahrzeugkostenrechnung.

So schön die Erinnerung und das Aufrechterhalten traditioneller Produkte einer Brauerei auch sein mag, es hat offenbar einfach keine Zukunft, allein darauf zu setzen. Ein hier passender, aber nicht angenehmer Spruch ist ja: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“. Übersetzt: der Kunde kauft was ihm schmeckt und gefällt! Ich bin zwar überzeugt, dass es immer Kunden für alkoholisches Bier geben wird, aber die Menge von Kunden, die etwas „Anderes“ wollen, wird wohl stärker und schneller wachsen.

Es geht bei Brauereien meiner bescheidenen Meinung nach aber nicht um „entweder oder“, sondern um „sowohl als auch“!

Mal abgesehen von der Art des Produkts: Weil ein kleiner werdender Markt immer umkämpft ist, geht es auch um die Kosten. Die Herstellung und Abfüllung eines guten Biers, die Kosten für Rohstoffe, das Marketing und ein kluges Pricing (auch sehr schwierig – je nach Verkaufskanal) sind da wohl wichtig, aber das sind nicht meine Themen. Die Logistik ist es aber schon!

Wenn zu viel Geld für Logistik „verbraucht“ wird und gleichzeitig immer weniger für das Produkt bezahlt wird, bleibt zu wenig für die gute Qualität des Produkts und vor Allem nichts mehr für den Gewinn! Und der „ist nicht böse“, sondern für jedes Unternehmen notwendig (liebe Konsumenten!). Ohne Gewinn auch kein Geld für Investitionen und Innovationen. Bier brauen ist keine Liebhaberei, sondern auch ein Geschäft, von dem viele Menschen leben müssen. Für das, was einem schmeckt, sollte man dann als Verbraucher auch bereit sein, ein paar Cent mehr zu bezahlen. Denn es ist ja „gut gemacht“! 

Aber zurück zur Logistik: 

  • Sie kostet dann zu viel, wenn bspw. für die Produktion zu viele Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe (inkl. Glas!) zu früh bereitgehalten werden und die Transportkosten für die Beschaffung auch noch inkludiert sind!
  •  Logistik ist zu teuer, wenn das Lager voll ist, voll mit Produkten, die (aktuell zumindest) zu wenige kaufen.
  • Und Logistik ist auch zu teuer, wenn zu viele Menschen, zu weite und lange innerbetriebliche Transport- und Kommissionier-Wege haben. Und suchen, warten und "ausgraben" müssen, um zu dem zu kommen, was sie brauchen.
  • Und – zu guter Letzt – ist Logistik auch zu teuer, wenn LKW, die zum Einzelhändler, Großhändler, zur Gastronomie oder in ein Zentrallager liefern nicht voll sind, leer (zurück) fahren und die Fahrzeit des Fahrers nicht ausnutzen (können) weil der warten und suchen muss – und vielleicht noch selbst auf- und/oder ablädt!

Das Thema Leergut, das die Branche immer schon umtreibt, weil es nie da ist wenn man es für die Abfüllung braucht, kommt noch on Top. Obwohl es dafür keine perfekte Lösung gibt, beginnt doch alles ersteinmal mit einer Bestandsaufnahme, Datentransparenz, Prozessen und Planung. Damit kann man das Problem zwar nicht komplett beseitigen, aber doch eingrenzen und beherrschbarer machen.

Bild: Astrid Schröter
Bild: Astrid Schröter

Auch der Konsument kann einen - kleinen - Beitrag leisten: Bringen Sie ihr Leergut zeitnah zurück! Im Optimalfall dort, wo Sie das Vollgut gekauft haben. Und packen Sie nur solche Flaschen in den Träger, die auch vorher als Vollgut drin waren. Mischen Sie keine verschiedenen Flaschentypen in einem Kasten. 

Und noch etwas: Achtung Wortspiel - beweisen Sie Lokalpatriotismus 😊!

Natürlich kann ein gutes Logistikkonzept erreichen, dass man Bier einigermaßen kostendeckend über eine weite Strecke fahren kann. Das ist auch gut so, damit die Welt da draußen in den Genuss bayerischer und deutscher Biere kommen kann. Aber: logistisch einfacher, kostengünstiger und vor Allem auch nachhaltiger ist natürlich wenn man Getränke aus der Region genießt.

Ich wünsche uns allen nun, dass die Bier- und Getränkevielfalt eher zunimmt als weniger wird und dass möglichst viele Brauereien durch neue innovative Sorten und Gebinde noch lange gute Geschäfte machen werden!

Herzliche Grüße, Christian Schober 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0