Christian Schober über Verkehrspolitik und die Gemeinsamkeiten von Tremosine (del Garda) und München

Der letzte Blogbeitrag vor der Sommerpause soll etwas mit Urlaub zu tun haben – haben mir meine Mitarbeiter gesagt! Also gut! Deshalb das Thema:

 

 

Was haben Tremosine (am Gardasee) und München gemeinsam?

 

 

Sie könnten sagen: „Viel!“, da München angeblich die nördlichste Stadt Italiens sein soll. Aber es geht mir an dieser Stelle um etwas Anderes. Es geht um Verkehrsinfrastruktur.

Der Gardasee ist im Wesentlichen von zwei Straßen umsäumt, der Gardesana Orientale und der Gardesana Occidentale. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war bspw. Malcesine nur über das Wasser erreichbar. Im Großen und Ganzen sind die beiden Hauptachsen also ca. um die 100 Jahre alt. Da der Tourismus im Jahr 2018 ein ganz anderer ist als zur Zeit des Baus der Straßen, ist die Infrastruktur mittlerweile mehr als überlastet, besonders in der Urlaubszeit. Außerdem gibt es nicht nur immer mehr Touristen und PKW, sondern diese PKW wurden im Laufe der Jahrzehnte – aber nicht überraschend, sondern sichtbar – immer größer. Auf dieses Problem wird weder im Straßenbau noch hinsichtlich der Parkmöglichkeiten eingegangen.

 

Bei solchen Diskussionen gibt es ja immer zwei Lager: die einen, die durch Straßenbau Verkehr ermöglichen und erträglich gestalten wollen (auch für die Anwohner) und die Anderen, die davon ausgehen, dass mehr und größere Straßen nur mehr Verkehr anziehen. Vertreter dieser Sichtweise neigen dazu, die Dinge zu Lasten der Fahrzeuglenker, der Umwelt und der Anwohner erst einmal abwartend eskalieren zu lassen.

 

So ist es am Gardasee und – das ist nun die Gemeinsamkeit – auch in München. Im Münchner Westen entsteht, auch durch den neuen Stadtteil Freiham, seit einigen Jahren so viel neuer Wohnraum, dass durch den Zuzug die Verkehrsprobleme dramatisch zugenommen haben, obwohl erst max. 1/3 der vorgesehenen Bürger überhaupt dorthin gezogen sind.

 

Der Verkehrsgau ist hier schon eingetreten, der Kollaps auf den der Münchner Westen noch zusteuert wird sehenden Auges in Kauf genommen. Dies von Verantwortlichen, die – wen wundert es – nicht in der Gegend wohnen, über die sie durch ihr Nichtstun entscheiden. Man gibt sogar zu, gar kein Verkehrskonzept zu haben, also nicht einmal ein Schlechtes oder eines, das man diskutieren könnte.

 

Das ist dreist und belastet die Bürger dauerhaft und täglich negativ – und es wird noch schlimmer. So ein Vorgehen ist etwas, was deutsche Behörden in der Vergangenheit oft Kollegen anderer Nationen vorwarfen. Aber im Vergleich zum Gardasee: München ist eben doch die nördlichste Stadt Italiens!

 

Beste Grüße und trotzdem schönen Urlaub!

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