Logistikdienstleister, der Vertrieb und die Digitalisierung

Digitalisierung, Logistik, Lagerlogistik, Warehousemanagment, Logistikprozesse, Lager

Logistikdienstleister "beschweren" sich oft über Unternehmensberater und geben diesen die Schuld an schlechten Frachtpreisen - sind sie es angeblich doch, die den Kunden verleiten, die Preise reduzieren zu wollen. Obwohl es sicherlich sowohl solche Kunden als auch solche Berater gibt, gehört dieser 

"Verdacht" weitgehend ins Reich der Märchen. Verlader wissen genau was Sie wollen und Berater unterstützen sie dabei. Und wenn genügend eigene Ressourcen vorhanden sind, kümmert sich ein eigenes Projektteam des Verladers darum. So einfach ist das.

 

Viele Logistikdienstleister haben leider nicht verstanden, dass ein guter Berater eigentlich der beste "Außendienstler" der Logistikbranche ist: er bestätigt dem Kunden auszuschreiben, wenn dies sinnvoll ist und bemüht sich passende Dienstleister für die Bieterliste zu empfehlen - wenn der Kunde danach frägt.

Ausschreibungen, Frachtausschreibung, Transportausschreibung, Transportmanagement

Wir unterstützen Kunden nun seit über 20 Jahren und machen das - das dürfen wir selbstbewusst sagen - als Speditionskaufleute und aus der Branche kommend wohl recht gut. So gut, dass ein Logistikdienstleister alle Informationen rechtzeitig bekommt, die er benötigt um optimal kalkulieren zu können. ABER: so sehr man sich bemüht scheitert die Geschäftsanbahnung bei ca. 50% der Firmen aus Gründen, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr existieren sollten:

 

1. Will man mal den Markt "sondieren" und hängt sich ans Telefon hört man: "Wenn Sie uns nicht den Namen des Kunden nennen oder den Ansprechpartner des Kunden und wir direkt Kontakt aufnehmen dürfen, machen wir erst mal gar nichts!" Auch gut.

 

2. Trotz telefonischem Avis der Unterlagen, persönlicher Ansprache und Nutzung der persönlichen E-Mail-Adresse: keine Reaktion, kein Zwischenbescheid, kein Rückruf, keine Abgabenachricht. "Basics" der Kommunikation zwischen Kaufleuten - Fehlanzeige!

 

3. Wir bitten mehrfach mündlich und schriftlich um elektronisch verarbeitbare Daten. Bitte kein Papier, bitte keine PDF, sondern bspw. MS Excel. Was passiert? Als erstes kommt ein PDF - mit 3 Wochen Verspätung (siehe Punkt 2).

Wir bitten nochmals um Excel-Daten; einmal, zweimal, dritte Erinnerung. Dann nach weiteren 2 Wochen: "Anbei erhalten Sie wunschgemäß unsere Offerte als Excel-Mappe". Wir freuen uns! ABER: Leider kann man aus der Mappe nichts herauskopieren, denn nun gibt es einen Schreib- und Blattschutz und kein dazugehöriges Passwort!

 

Fazit:

Ich kann mich noch daran erinnern, als ich vor Jahrzehnten vom Blatt abgelesen habe und das Bordero mit der Schreibmaschine geschrieben habe. Weiter sind im Jahr 2020 viele Logistikdienstleister nicht. Die Schreibmaschine heißt nun "Tastatur", zum Abschreiben gibt es ja den zweiten Bildschirm auf dem Schreibtisch und die Briefpost von früher kam schneller an als die E-Mail-Antwort. Und dass gute Geschäfte zwischen Menschen gemacht werden ist wohl auch - trotz deutlich verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten - vielen Menschen gar nicht mehr bewusst.

 

So wird es weder etwas mit dem Image-Problem der Logistik, noch mit dem angeblich so dringend gesuchten Nachwuchs an jungen Leuten und schon gar nicht mit dem Umsatzzuwachs. Das Geschäft machen nicht die Großen, sondern die Schnellen. Und die, die Menschen "erreichen". Das war allerdings immer schon so.

 

Beste Grüße, Christian Schober

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