Sind Sie auch ein Sozialromantiker?

ein Beitrag von Christian Schober

 

Vor einiger Zeit hat man mir - als ich meinem Kunden Feedback zu seinem Umgang mit seinen Mitarbeitern gab - vorgeworfen ich sei ein "Sozialromantiker". So oder so ähnlich wurde das hie und da schon formuliert in den letzten Jahrzehnten um mir mitzuteilen, ich sei nicht "hart" genug zu den Mitarbeitern.

Ich dagegen fahre mit meiner Einstellung sehr gut und muss mich wundern, dass das Spiel "oben" und "unten" und der dazugehörige rauhe Umgangston (und alle anderen Begleit-erscheinungen) noch immer oft das Mittel der Wahl sind. Wahrscheinlich nutzen dieses Mittel diejenigen Führungskräfte, die einfach nichts anderes haben als dieses Werkzeug. Sonst bräuchten sie es ja nicht.

 

Der sogenannte Fachkräftemangel und alle anderen Probleme, die Unternehmen so haben, werden wohl an der Behandlung der Mitarbeiter ebenso wenig ändern wie das x-te Führungsseminar. Entweder man hat eine gewisse soziale Kompetenz, oder eben nicht.

 

Gestern habe ich mich lange mit einem ehemaligen Inhaber einer Spedition unterhalten, der verkauft hatte. Der Käufer hatte ihm seinerzeit - vor einigen Jahren - ebenfalls konstatiert, dass nun der "Kuschelkurs vorbei sei" und ein anderer Wind im Umgang mit den Mitarbeitern wehen würde. Gestern hat mir der Betroffene, der nun Ruheständler ist, erzählt, dass er mit seiner Frau mit dem Wohnmobil durch Deutschland fahren und ehemalige Mitarbeiter besuchen wird! Sowohl die Mitarbeiter als auch mein Ansprechpartner freuen sich wahnsinnig auf diese Treffen nach langer Zeit.

 

Auch er ist wohl in den Augen vieler ein "Sozialromantiker" gewesen. Er kann aber heute - mit Stolz - nicht nur auf eine erfolgreiche Firmengeschichte und eine einträgliche Verkaufstransaktion zurückblicken, sondern auch auf zwischenmenschliche Beziehungen, die aus einem partnerschaftlichem Umgang miteinander und gegenseitiger Wertschätzung resultieren.

 

Zugegeben, das funktioniert nicht mit jeder Mitarbeiterin oder mit jedem Mitarbeiter. Aber es lohnt sich, jeder und jedem (und auch sich selbst) zunächst die Chance dazu zu geben.

 

Beste Grüße!

 

Christian Schober

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