Christian Schober über die Explosion der innerstädtischen Logistik

Kein Tag vergeht, an dem nicht von vielen Seiten auf die künftig noch stärker zunehmende Urbanisierung der Gesellschaft hingewiesen wird. Hinsichtlich der damit verbundenen Logistikprobleme (City-Logistik) wird heftig gewarnt und schlimme Szenarien werden herauf beschworen.

Zuletzt habe ich von der Lösung gelesen, viele kleinere Lager in der Innenstadt als Hubs und Zustellbasen für immer kleiner werdende Sendungen zu verwenden – am besten noch für Sendungen, die  innerhalb weniger Stunden bestellt und geliefert werden sollen. „Der Druck des Marktes sei so groß, dies machen zu müssen“ heißt es. Der Online-Käuferlehnt zusätzliche Gebühren für Same-Day Delivery ab“ und „kaum bestellt, schon geliefert, so die Wunschvorstellung von immer mehr Konsumenten“.

 

Meine Meinung: Wenn wir die Konzepte der innerstädtischen Versorgung nach einem Personenkreis ausrichten, der für seine irrwitzige Wunschvorstellung Kleinstmengen „sofort“ geliefert haben zu wollen außerdem nicht einmal etwas bezahlen möchte, (weil ihm diese Leistung nichts wert ist!) dann wäre das völliger Unsinn!

 

Längst haben sich Studien damit beschäftigt, wie viele Menschen in Wahrheit die sofortige Lieferung wirklich wollen – es sind gar nicht so viele. Und würde man diese Lieferung bepreisen, wären es noch weniger. Klar ist doch aber auch, dass ein Angebot – wenn es bequem und kostenlos ist – auch genutzt wird! Warum? Weil es geht!

 

Dinge werden doch nicht „richtiger“, nur weil es viele Menschen auch machen!

 

Die wie ein Mantra hervorgebrachte Aussage der Anbieter, der „Markt fordere“ ein gewisses Verhalten ist doch längst entlarvt worden – die Quelle von so manchem logistischem Unsinn ist der Anbieter selbst – im Glauben sich vom Wettbewerb unterscheiden oder „mitmachen“ zu müssen. Denken wir als mahnendes Beispiel an die enorme Vielfalt von Konfigurationen bei PKW und den hohen Preis, den – nicht nur der Käufer – dafür bezahlen muss. Ist es denn richtig, dass Umsatz und Wachstumsstreben für so vieles als Rechtfertigung dienen darf?

 

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der schwierigen Beantwortung dieser Frage!

 

Beste Grüße, Christian Schober

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