Die Ferien, die LKW`s und der Stau

Wie viele Herzen schlagen in Ihrer Brust, lieber Leser, wenn Sie auf einer Landstraße scheinbar ewig und ohne Aussicht auf eine sichere Überholmöglichkeit einem LKW hinterher zockeln oder auf einer Bundesautobahn bei 160 km/h von einem nach links ausscherenden LKW völlig überraschend und scheinbar grundlos ausgebremst werden?

Ärgern Sie sich sehr über diese unerwünschte Behinderung vor Ihnen? Oder sind Sie Logistiker, Spediteur, Transporteur oder in anderer Weise diesen Branchen irgendwie zugetan oder mit einem Angehörigen dieser Berufsgruppen bekannt? Oder sind Sie „Nutzer“ von Logistikdienstleistungen? Ein Händler, ein Produzent, ein Nahversorger? Jemand der täglich auf seine pünktliche Lieferung wartet oder dessen Kunden auf pünktliche Lieferungen warten? Um es vorweg zu nehmen: auch der Autor hat zwei Herzen in seiner Brust: einmal das maßlose Ärgern über die Rück-sichtslosigkeit mancher Fahrer, andererseits das Verständnis für deren Situation und die Bedeutung der Logistik für die Volkswirtschaft.

 

Obwohl in den Sommermonaten Juli und August zum normalen Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Schwerlastkraftwagen noch das sog. Ferienfahrverbot tagsüber an Samstagen gilt, fällt uns als Privatfahrer der LKW auf dem Weg in den Urlaub besonders auf – nämlich als besonders störend. Lediglich diejenigen, die auch während der üblichen Arbeitswochen bereits über Autobahnen zur Arbeit fahren, wissen um die Tücken der LKW-Verkehre und empfinden diese weitgehend als normal, obwohl man natürlich verständlicherweise sicher, zügig und ohne Stau ans Ziel kommen möchte.

 

Es gibt aber Alternativen zum Ärger über durch LKW verstopfte Autobahnen. Eine Alternative ist, sich ein bisschen mit den Fahrern und den Speditionen zu befassen. Fragen wir uns: Warum fahren eigentlich so viele LKW herum? Lösen Sie sich von dem negativen Gedanken, dass LKW böswillig herumfahren um als Umweltsünder viel Geld zu verdienen! LKW fahren, weil Sie, lieber Leser, etwas gekauft haben oder kaufen wollen. Weil Sie Ihre Zeitung, Ihre Lebensmittel, Ihre Kleider und Ihre Möbel im Laden oder im Internet von irgendwo ordern und diese Dinge – und zwar absolut Alles was Sie sich vorstellen können oder in Ihrer Wohnung haben – dann auf Ihren Auftrag hin zu Ihnen oder zu Ihrem Händler gebracht wird. Und nochmals: es handelt sich um ALLES! Erinnern Sie sich, dass Sie zuletzt in der Apotheke ein Medikament bestellt haben und man Ihnen sagte, es sei in 3 Stunden abholbereit? Erinnern Sie sich, dass Sie ein Kleidungsstück in einer anderen Farbe gewünscht hatten als diejenige, die vorrätig war? Erinnern Sie sich, wann Sie zuletzt an einer Tankstelle waren und Sie dort nichts kaufen konnten, weil die Tanks leer waren? Was haben das Medikament, das Kleidungsstück und der Kraftstoff gemeinsam? Durch Ihren Kauf dieser Dinge haben Sie mehrere Transporte ausgelöst! Das Medikament wurde ein paar Stunden später aus einem Zentrallager mit einem Transporter gebracht, der oft nur wegen wenigen Packungen eine Apotheke anfährt. Es wurde parallel durch das Zentrallager beim Hersteller nachbestellt und wird demnächst nachgeliefert werden. Ebenso verhält es sich mit dem Kleidungsstück – nur dass dieses einen Ferntransport zum Beispiel aus Portugal oder der Türkei auslöst! Und der Kraftstoff kommt als Gefahrguttransport und als große Zahl von LKW-Transporten aus einer Raffinerie aus der Region. Kurz gesagt: LKW fahren ausschließlich deshalb, weil es einen Transportbedarf gibt – und dieser wird letztendlich durch den privaten Verbraucher ausgelöst.

 

Natürlich wird auch vermeintlich „sinnlos“ gefahren. In den Medien wird oft das schon berühmt gewordene T-Shirt thematisiert, das 70.000 km und mehr zurückgelegt hat, bis es im Laden um die Ecke gekauft werden kann. Das mag sinnlos erscheinen – transportiert wird dieses Kleidungsstück aber deshalb, weil es Verbraucher kaufen. Würden Verbraucher Produkte dieses Herstellungslandes ablehnen, würden diese Transporte „einschlafen“… Verhält es sich mit der Kiwi aus Neuseeland und der gleichzeitigen Verwunderung über die Zunahme von Luftfrachtverkehr nicht genau so?

 

LKW fahren aber auch leer, blockieren dabei die Straßen aber genauso wie volle LKW es tun. Leerfahrten zu vermeiden liegt aber im ureigensten Interesse des Spediteurs. Da Leerfahrten nur etwas kosten, aber keine Einnahmen haben, wird es hier nie zu negativen Auswüchsen kommen; im Gegenteil nimmt die Kompetenz, wirtschaftlich und voll ausgelastet zu fahren – notgedrungen – bei den Speditionen weiter zu.

 

Lassen Sie uns noch kurz über die Fahrer sprechen: wie wir besonders in den letzten Jahren schmerzlich feststellen mussten gibt es in jeder Branche und jedem Beruf schwarze Schafe, selbstverständlich auch bei den Spediteuren. Doch die meisten Fahrer sind hart arbeitende Menschen, die in einem fast schon unübersichtlichen Dschungel aus Bestimmungen und Gesetzen unterschiedlichster Behörden ihre Arbeit zur Zufriedenheit des Chefs und dessen Kunden gleichzeitig ausüben müssen. Trucker sind wirklich Diener sehr vieler Herren, die alle einen sehr hohen Anspruch haben – und dabei soll das Alles noch wenig kosten!

 

In diesem Sinne wünscht Ihnen der Autor eine gelassene Fahrt – auch auf vollen Straßen.

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